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Vigipool Dosieranlage: Morgendliches Überdosieren verhindern

Ich erkläre dir, wie du eine Überdosierung verhindern kannst #TomTuT #Poolheld

Kurz vorweg: Diesen Beitrag verdanke ich dem Poolheld Stephan aus den Kommentaren zu meinem Orpheo-Test. Er hat ein Problem messerscharf beschrieben, das ich so noch gar nicht auf dem Schirm hatte – und die Lösung ist so simpel, dass ich sie unbedingt teilen muss. Danke dir, Stephan!

Problem: Morgens knallt der Chlorwert nach oben

Stephans POOLSANA Orpheo VP an seinem 12-m³-Pool macht folgendes: Kaum läuft die Filterung morgens an, dosiert die Anlage Chlor nach – und zwar zu viel. Der Redox-Wert (das ist das Maß fürs freie Chlor) schießt auf rund 820 mV hoch, obwohl 680 mV eingestellt sind. Ein deutliches Überdosieren, jeden Morgen aufs Neue.

Klingt nach einem Defekt? Ist es aber nicht. Die Anlage macht genau das, was sie soll – nur zum falschen Zeitpunkt.

Warum die Anlage das macht

Der Grund ist eigentlich logisch, wenn man’s einmal verstanden hat. Über Nacht steht die Filterpumpe. Das Wasser in den Rohrleitungen und rund um die Messsonde steht also stundenlang – es ist abgestanden. Und abgestandenes Wasser hat einen niedrigeren Redox-Wert als das frische Wasser draußen im Pool.

Jetzt startet morgens die Pumpe. Die Sonde misst als Allererstes dieses alte Rohrwasser – sieht also einen zu niedrigen Wert – und die Anlage denkt: „Oh, viel zu wenig Chlor, ich muss ordentlich nachlegen.“ Sie dosiert blind auf einen Messwert, der gar nicht den echten Poolzustand zeigt.

💡 Und jetzt kommt der Haken: Die Firmware ist da stur. Laut CCEI-Anleitung (Betriebsanleitung Orpheo VP / Phileo VP & POD VP, Kap. 6.1 „Informationsverzögerung und inaktive Einspritzung“ ↗  – liegt der Anlage auch gedruckt bei) gibt’s nach dem Einschalten 2 Minuten Sperre, dann noch mal 2 Minuten nach dem Erkennen des Durchflusses – und danach dosiert sie durch, ohne Pausen, bis der Sollwert erreicht ist oder die Tages-Maximaldosis. In diesen paar Minuten misst sie aber noch das alte Wasser. Zu kurz, um bis dahin frisches Poolwasser an der Sonde zu haben.

⚠️ Was ich für dich gleich klarstelle: Eine einstellbare Startverzögerung gibt es nicht. Auch nicht versteckt in irgendeinem Menü. Ich habe für meine Home-Assistant-Integration die komplette Geräte-Schnittstelle auseinandergenommen – da ist nichts. Also müssen wir uns selbst was bauen.

Lösung: Der Winter-Modus als Pause-Taste

Und genau da wird’s schön. In derselben Anleitung (Kap. 6.1) steht: Der Überwinterungsmodus stoppt jede Einspritzung. Aber – und das ist der Trick – gemessen wird trotzdem weiter. Die Anlage schaut also aufs Wasser, hält aber die Klappe und dosiert nicht.

Damit haben wir unsere Pause-Taste. Der Ablauf als kleine Automation:

  1. Filterpumpe startet morgens ganz normal.
  2. Sofort danach: Winter-Modus einschalten.
  3. 20 bis 30 Minuten warten. In der Zeit spült frisches Poolwasser das alte Rohrwasser weg und umströmt die Sonde.
  4. Winter-Modus wieder aus.
  5. Jetzt regelt die Anlage auf Basis eines echten Messwerts – und dosiert nur so viel, wie wirklich nötig.

💡Tipp: Das Schöne an dieser Lösung ist, was sie NICHT anfasst. Der 24-Stunden-Dosierzähler wird nicht zurückgesetzt. Und du greifst nirgends in die Stromversorgung ein. Reine Software, alles über einen Schalter.

Und mit meiner eigenen Home-Assistant-Integration für die Vigipool-Dosieranlage ist der Winter-Modus genau das: ein simpler Schalter in Home Assistant, den du per Automation an- und ausklickst. Den Code gibt’s offen auf GitHub.

Kein Smart Home? Zwei Alternativen

Nicht jeder hat Home Assistant im Keller stehen. Kein Ding, es geht auch anders.

Alternative 1: Zeitschaltuhr oder Smart-Steckdose

Du gibst der Dosieranlage per Zeitschaltuhr oder smarter Steckdose erst 20 bis 30 Minuten nach der Filterpumpe Strom. Bis dahin läuft das Wasser schon, die Sonde sieht frisches Poolwasser, und die Anlage startet direkt mit einem sauberen Messwert.

⚠️ Ehrlich dazu: Die Anleitung rät eigentlich davon ab, die Anlage an die Filtrations-Stromversorgung zu koppeln. Gemeint ist damit aber das ständige Takten – also wenn die Anlage x-mal am Tag an und aus geht. Einmal täglich verzögert einschalten ist gutartig, das ist ein anderer Fall. Nur eins solltest du wissen: Jede Stromtrennung setzt den 24-Stunden-Dosierzähler zurück.

Alternative 2: Filterlaufzeit splitten

Wenn du gar nichts kaufen willst: Splitte deine Filterzeiten so, dass zwischendurch – zum Beispiel nachts – kurz umgewälzt wird. Dann steht das Wasser an der Sonde nie stundenlang, und das Problem entsteht erst gar nicht. 👉 Ein bisschen Ausprobieren, bis die Zeiten passen, aber dafür brauchst du kein einziges Extra-Gerät.

Mein Fazit

Das Überdosieren am Morgen ist kein Defekt, sondern eine Eigenheit, wie die Anlage misst. Und der Winter-Modus-Trick ist für mich die sauberste Lösung: kein Strom-Gefummel, kein zurückgesetzter Zähler, nur ein Schalter zur richtigen Zeit. Wer Home Assistant hat, baut das in fünf Minuten als Automation.

👉 Und dir, Stephan – noch mal danke für den Anstoß. Genau so entstehen die besten Beiträge: Einer im Pool-Alltag stolpert über was, wir tüfteln gemeinsam die Lösung aus. Wenn’s bei dir auch morgens überdosiert, probier den Winter-Modus und schreib mir in die Kommentare, wie’s läuft – ich lese alles und antworte auch.

Das war TomTuT, bleib hart am Gas.

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